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Jul 10

WHO warnt vor bald resistenten Gonorrhö-Superkeim

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis selbst Reserveantibiotika bei Gonorrhö nicht mehr wirken, erklärt die Weltgesundheitsorganisation. In drei bestätigten Fällen waren alle Antibiotika wirkungslos.

© imago/Science Photo Library Gonorrhö-Superkeim

78 Millionen Menschen erkranken weltweit jedes Jahr an der Geschlechtskrankheit Gonorrhoe. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt nun vor Superkeimen, die mit keinem Antibiotikum mehr bekämpft werden können.

„Die Bakterien, die Gonorrhoe verursachen, sind sehr schlau. Jedes Mal, wenn wir eine neue Klasse Antibiotika verwenden, um die Infektion zu behandeln, entwickeln sie Resistenzen“, erklärt die WHO-Epidemiologin Teodora Wi. Die Krankheit wird bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen und kann zu Entzündungen unter anderem der Harnröhre führen. Manche Frauen leiden deshalb unter Entzündungen des Beckens.

Man glaubte, die klassischen Geschlechtskrankheiten, zu denen auch Gonorrhö gehört, im Griff zu haben. Weltweit ist sie die dritthäufigste der sexuell übertragbaren Infektionen. „Alle sexuell übertragbaren Krankheiten – nicht nur die Gonorrhö – feiern ein nicht geahntes Comeback“, erklärt Professor Norbert Brockmeyer von der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum. „Dieser Anstieg ist sehr verwunderlich, weil wir eine eher steigende Tendenz beim Gebrauch von Kondomen sehen.“ Es handele sich vermutlich um sexuell hochaktive Menschen, so der HIV-Experte weiter. Besonders gefährdet seien die sogenannten MSM – Männer, die Sex mit Männern haben.

Beim Mann kommt es innerhalb einer Woche meist zu einem eitrigen Ausfluss aus der Harnröhre. Im schlimmsten Fall kann Tripper zur Unfruchtbarkeit führen. Bei Frauen macht sich eine Infektion auf ähnliche Art bemerkbar, manchmal passiert es aber auch, dass die Erkrankung ohne jegliche Symptome verläuft. Dann ist die Gefahr groß, dass sich die Gonorrhö weiter ausbreitet, weil sie eben nicht direkt behandelt wird. „Es kann dann zu einer Entzündung des kleinen Beckens kommen“, erklärt Dr. Viviane Bremer vom Robert-Koch-Institut, „und anschließend auch zu einer Verklebung der Eileiter. Das heißt, dass die Frau keine Kinder mehr kriegen kann.“

Bei Schwangeren, die sich mit Gonorrhö angesteckt haben, besteht die Gefahr, dass die Infektion auf das Neugeborene übertragen wird. „Bei Babys betrifft die Gonorrhö vor allen Dingen die Augen“, so Bremer. Dann entwickeln sich beim Neugeborenen bereits wenige Tage nach der Geburt die Symptome: Die Lider sind geschwollen, die Augen sehr lichtempfindlich. Behandelt wird eine solche Infektion mit einem Antibiotikum.

 

Wie schlimm sieht es aus?

In Japan, Frankreich und Spanien sind bereits Fälle aufgetreten, in denen die Bakterien auf keine der bekannten Antibiotika mehr angesprochen haben. In allen drei Ländern funktionieren Diagnose und Behandlung der Krankheit prinzipiell sehr gut.

„Deshalb könnte es sich dabei nur um die Spitze des Eisbergs handeln“, sagt Wi. „Denn in ärmeren Ländern mit schlechteren Diagnosemöglichkeiten ist die Krankheit viel weiter verbreitet.“ Alleine in Südostasien und Afrika erkranken laut WHO jedes Jahr jeweils mehr als elf Millionen Menschen an Gonorrhoe – früher auch Tripper genannt. In Europa sind es 4,7 Millionen. Weltweit treten pro Jahr 78 Millionen neue Fälle auf, Tendenz steigend.

Neue Initiative zu Erforschung von Antibiotika

Die Auswahl an Medikamenten, die noch helfen würden, sei sehr begrenzt, teilte die WHO am Freitag in Genf mit. In den meisten Ländern sei nur noch eine Klasse von Antibiotika (Cephalosporin) gegen Gonorrhoe wirksam.

Aktuell würden nur drei neue chemische Substanzen in verschiedenen Phasen der klinischen Erprobung stehen. Der Grund: Die Entwicklung neuer Antibiotika ist für Pharmafirmen nicht sehr lukrativ. Die Behandlungen dauern im Gegensatz zu solchen bei chronischen Krankheiten nur sehr kurz und sie verlieren zunehmend ihre Wirkung, je resistenter die Bakterien werden.

Die WHO hat deshalb gemeinsam mit der „Initiative für vernachlässigte Krankheiten“ eine eigene Organisation (GARDP) gegründet, die neue Antibiotika erforschen und entwickeln soll – unter anderem auch gegen Gonorrhoe.

„Die Situation ist düster“, sagt GARDP-Direktor Manica Balasegaram. „Kurzfristig versuchen wir deshalb, die Entwicklung einer der drei neuen Substanzen zu beschleunigen, und arbeiten an möglichen Kombinationstherapien.“ Die Behandlungen sollten für alle verfügbar sein und „gleichzeitig richtig angewendet werden, damit sich die Resistenzbildung möglichst verlangsamt“.

 

Links

 

Quellen     WHO warnt vor Gonorrhö-Superkeim          MSN-Nachrichten

                  WHO warnt vor Gonorrhoe-Superkeimen    ORF.at

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